Wie bereitet man Matcha zu: Tee und Latte richtig
1. Einführung: warum cremiger Matcha kein Zufall ist
Neunzig Sekunden. Länger dauert eine gute Schale Matcha nicht, wenn du weißt, was du tust. Und trotzdem landet bei vielen ein klumpiges, bitteres Grün in der Tasse, das nichts mit dem cremigen Getränk aus dem Café zu tun hat. Der Grund ist zuerst das Pulver. Und dann sind es drei Stellschrauben: die Wassertemperatur, die Dosierung und die Art, wie du schlägst. Wie bereitet man Matcha zu, ohne dass er bitter wird und klumpt? Genau das zeigt dir dieser Ratgeber, Schritt für Schritt, für die klassische Schale und für den Matcha Latte. Danach gelingt dir jede Tasse.
Auf einen Blick:
- Matcha wird nicht aufgegossen, sondern als ganzes Pulver mit Wasser schaumig geschlagen, du trinkst dabei das komplette Blatt (Foods, 2024).
- Das Wasser sollte maximal zwischen 60 und 80 Grad Celsius haben, kochendes Wasser macht den Matcha bitter (Foods, 2020).
- Für eine Schale rechnest du etwa 2 Gramm Pulver, rund zwei Bambuslöffel, auf 70 bis 80 Milliliter Wasser (Fachkonsens japanische Teezeremonie).
- Eine Schale aus 2 Gramm Matcha können rund 77 Milligramm Koffein liefern (Performience Berechnungen).
- Für den feinporigen Schaum brauchst du 30 bis 60 Sekunden zügiges Schlagen mit dem Bambusbesen, dem Chasen.
Wie bereitet man Matcha zu? Du siebst etwa zwei Gramm Matcha Pulver in eine Schale, gießt rund 70 bis 80 Milliliter Wasser mit etwa 80 Grad Celsius darauf und schlägst beides mit einem Bambusbesen 30 bis 60 Sekunden schaumig. Kochendes Wasser macht den Matcha bitter, deshalb lässt du es vorher abkühlen oder besser: du erhitzt das Wasser gleich gezielt auf die gewünschte Temperatur.
Klingt nach Zeremonie? Ist am Ende reine Übung, und die Matcha Zubereitung gelingt schnell und einfach. Weil die Grundregeln für jeden japanischen Grüntee ähnlich sind, hilft dir diese Anleitung zum Matcha-Tee zubereiten auch bei der richtigen Zubereitung von grünem Tee insgesamt.
2. Warum die Zubereitung über den Geschmack entscheidet
Matcha ist kein normaler Tee. Statt Blätter aufzugießen und wieder herauszunehmen, trinkst du das fein gemahlene Blatt komplett mit. Das ändert alles an der Zubereitung von Matcha. Er ist ein Stück japanischer Tradition und öffnet dir die faszinierende Welt der japanischen Teekultur.
„Anders als andere Teesorten wird Matcha in Pulverform konsumiert und enthält alle Teile des Blattes“, schreiben Jakubczyk und Kollegen in der Fachzeitschrift Foods (Original: „Unlike other types of tea, Matcha is consumed in powdered form, containing all parts of the leaf“). Für dich heißt das: Was du in die Schale gibst, landet auch im Körper. Im Vergleich zu aufgegossenen grünen Tees nimmst du beim Matcha das ganze Blatt auf. Umso mehr lohnen sich hochwertiger Matcha und eine saubere Zubereitung.
Vor der Ernte wachsen die Teepflanzen für Matcha rund drei Wochen im Schatten. Dieser Entzug von Sonne treibt den Gehalt an Aminosäuren wie L-Theanin nach oben und dämpft die Entwicklung der herben Catechine. Genau diese zarten Pflanzeninhaltsstoffe sind aber die empfindlichsten. Und hier wird die Temperatur zur wichtigsten Stellschraube für den Geschmack.
Matcha Pulver in kochendes Wasser zu rühren, ist wie Zartbitterschokolade in eine zu heiße Pfanne zu geben: Statt cremig zu schmelzen, wird sie bitter und krisselig. Je heißer das Wasser, desto schneller lösen sich die Bitterstoffe aus dem Pulver. Deshalb gilt beim Matcha die eiserne Regel: nie mit kochendem Wasser übergießen. Wirklich nie.
Was viele überrascht: Auch der Koffeingehalt steigt mit heißerem Wasser. Wer seinen Koffeingehalt bei grünem Tee steuern will, hat schon mit der Wassertemperatur einen starken Hebel in der Hand. Diese Regel gilt aber nur für Blatttees, bei denen die Blätter ziehen und danach abgegossen werden. Über Temperatur und Ziehzeit steuerst du dort, wie viel Koffein aus dem Blatt ins Wasser übergeht – und wie viel im Blatt zurückbleibt, das du am Ende wegwirfst.
Beim Matcha ist das grundlegend anders. Hier wird nichts abgegossen und nichts weggeworfen: Du schlägst das fein gemahlene Pulver komplett ins Wasser ein und trinkst das ganze Blatt mit. Damit fallen Ziehzeit und Wassertemperatur als Stellschrauben praktisch weg, denn es kann gar nichts im Blatt „zurückbleiben“. Der einzige Hebel, der die Koffeinmenge in deiner Schale wirklich bestimmt, ist die Menge an Matchapulver. Ein gehäufter statt ein gestrichener Löffel macht hier den Unterschied – nicht die Gradzahl des Wassers.
Die 70 bis 80 Grad sind beim Matcha also eine reine Geschmacksfrage, kein Koffein-Hebel: Zu heißes Wasser macht ihn bitter, an der Koffeinmenge ändert es so gut wie nichts.
3. Was du für die Matcha Zubereitung brauchst
Die Ausstattung ist überschaubar. Traditionell brauchst du drei Dinge aus der japanischen Teezeremonie, dazu ein Sieb. Für die klassische Schale nimmst du am besten Matcha in Ceremonial Qualität.
- Matchaschale (Chawan): Eine breite Matcha Schale gibt dem traditionellen Matcha-Besen Platz, um Schwung zu holen. Eine tiefe Müslischale tut es zur Not auch.
- Bambusbesen (Chasen): Der klassische Matchabesen mit seinen vielen feinen Zinken schlägt das Pulver cremig und feinporig. Ein kleiner Schneebesen oder ein elektrischer Milchschäumer sind der Notnagel.
- Bambuslöffel (Chashaku): Mit dem Bambuslöffel Matcha zu dosieren ist Teil der Zeremonie. Zwei gehäufte Löffel entsprechen grob zwei Gramm, alternativ nimmst du einen gestrichenen Teelöffel.
- Feines Sieb: Das Sieb ist wie das Mehlsieb beim Backen. Es nimmt dem Matcha-Pulver die Klümpchen, bevor sie in der Schale landen.
Bei der Dosierung gilt: Zu wenig Pulver ergibt eine dünne, fade Tasse, zu viel eine herbe. Den Sweetspot findest du am besten, indem du dich herantastest. Ein gestrichener Bambuslöffel (Chashaku) fasst rund ein bis anderthalb Gramm – ein guter Startpunkt. Nimm etwa ein Gramm Matcha auf 70 bis 80 Milliliter Wasser, probiere, und erhöhe von dort in kleinen Schritten, bis die Schale für dich stimmt.
Grob gibt es dabei zwei klassische Richtungen: den Usucha, den „dünnen“ Matcha mit rund zwei Gramm auf 70 bis 80 Milliliter, leicht und schaumig – die typische Alltagsschale. Und den Koicha, den „dicken“ Matcha mit mehr Pulver auf weniger Wasser, dickflüssig und intensiv, der hochwertigen zeremoniellen Matcha verlangt. Für den Matcha Latte darf es ebenfalls etwas mehr Pulver sein, weil die Milch den Geschmack sonst überdeckt.
Die folgende Tabelle fasst die gängigen Varianten als Orientierung zusammen. Sieh sie als Ausgangspunkt, nicht als starre Regel: Deine persönliche Menge findest du durch Ausprobieren.
| Variante | Matcha Pulver | Wasser | Flüssigkeit gesamt |
| Klassische Schale (Usucha) | 2 g (2 Bambuslöffel) | 70 bis 80 ml, ca. 80 °C | 70 bis 80 ml |
| Kräftige Schale (Koicha) | 3 bis 4 g | 50 bis 70 ml, ca. 80 °C | 50 bis 70 ml |
| Matcha Latte | 2 bis 3 g | 50 bis 70 ml, ca. 80 °C | plus 200 ml Milch |
4. Matcha zubereiten Schritt für Schritt
Jetzt wird es konkret. Diese fünf Schritte zeigen dir, wie du Matcha Tee richtig zubereiten kannst, egal ob du gerade erst von Kaffee umsteigst oder deinen Matcha schon kennst.
- Schale vorwärmen und Besen einweichen: Gib heißes Wasser in die Matchaschale, stelle den Chasen hinein und lass ihn kurz weichen. Das schützt die feinen Bambuszinken, da sie so flexibler werden. Danach schüttest du das Wasser weg und trocknest die Schale.
- Matcha sieben: Siebe etwa zwei Gramm Matcha Pulver in die Schale. Das Sieb hilft gegen Klümpchen und kostet dich nur zehn Sekunden. Sieben ist unter dem Strich aber optional. Hilfreich, aber du kannst mit dem Chasen auch einfach länger aufschäumen und so alles fein bekommen.
- Wasser aufgießen: Du kannst das Wasser zum Kochen bringen und es dann auf rund 80 °C abkühlen lassen oder direkt auf Zieltemperatur bringen wenn du einen Wasserkocher mit Temperatureinstellung hast. Gieße dann 70 bis 80 Milliliter über das Pulver. Rühre zuerst mit nur wenig Wasser das Matchapulver zu einer glatten Paste und gib dann das übrige Wasser dazu, das macht das klümpchenfreie Verrühren leichter.
- Schaumig schlagen: Halte den Besen locker und schlage zügig aus dem Handgelenk in einer M-Form durch die Schale. Nicht rühren, sondern schlagen, wie beim Eischnee, nur schneller. Nach 30 bis 60 Sekunden steht ein feinporiger Schaum.
- Sofort trinken: Genieße den Matcha frisch, solange der Schaum steht. Das Pulver setzt sich sonst wieder ab.
Du fragst dich jetzt vielleicht: Geht das auch ohne Bambusbesen? Ja. Einen kleinen Schneebesen oder einen elektrischen Milchaufschäumer kannst du ebenso nehmen, um das Pulver schaumig zu schlagen, auch wenn der Chasen den feinsten Schaum macht. So gelingt die Matcha-Zubereitung auch ohne komplettes Zeremonie-Set.
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5. Matcha Latte selber machen
Der Matcha Latte ist das Trendgetränk, mit dem die meisten in die Welt des Matcha starten. Die cremige Milch nimmt dem Grüntee die Herbheit und macht ihn zugänglicher. Das Ergebnis ist ein cremiges Getränk, und ein selbstgemachter Matcha Latte ist in wenigen Minuten fertig. So kannst du deinen Matcha Latte zubereiten wie im Café.
- Paste anrühren: Siebe zwei bis drei Gramm Matcha in eine Tasse oder Glas und gib 30 bis 40 Milliliter heißes Wasser mit rund 80 Grad dazu. Streiche mit dem Chasen beides zu einer glatten, klümpchenfreien Paste und gib dann das restliche Wasser hinzu, wie du den Matcha als Koicha auch ohne Milch zubereiten würdest.
- Milch aufschäumen: Erwärme rund 200 Milliliter Milch und schäume sie mit einem Milchaufschäumer cremig auf. Klassische Milch funktioniert genauso wie Milchalternativen, und eine Hafer-Basis schmeckt zu Matcha besonders rund.
- Zusammengießen: Gieße die aufgeschäumte Milch langsam über den zubereiteten Matcha. Wer mag, süßt vorher mit etwas Agavendicksaft oder Ahornsirup nach.
Für einen Iced Matcha Latte gießt du den Matcha stattdessen über kalte Milch und Eiswürfel. Erfrischend im Sommer, und die genaue Dosierung für den leckeren Matcha Latte bleibt dieselbe wie beim heißen. Mit dieser Basis bereitest du dir einen perfekten Matcha Latte zu, warm wie kalt, und auch selbstgemachte Matcha Getränke werden zum Ritual.
Bevor du das umsetzt, kurz auf die Bremse: Viele Ratgeber empfehlen, für den Matcha Latte billiges Pulver statt Premium Matcha zu nehmen, weil die Milch den Geschmack ja überdecke. Das sehen wir anders. Ein günstiger Matcha bringt oft mehr Schadstoffe und weniger Wirkstoffe mit. Milch verdeckt keine schlechte Qualität, sie verdeckt nur den bitteren Beigeschmack. Ein hochwertiger Matcha, am besten Bio Matcha, lohnt sich auch im Latte.
6. Was die meisten Ratgeber übersehen
Fast jede Anleitung nennt dir bei der Zubereitung von Matcha Tee eine feste Wassertemperatur. Unsere Position ist eine andere: Die Temperatur ist kein starrer Wert, sondern ein Regler. Wie ein Lautstärkeregler entscheidet sie, welche Seite des Matcha nach vorne tritt. Genau dieses Verständnis macht die Zubereitung leicht und deine Tasse Matcha reproduzierbar gut.
Heißeres Wasser holt mehr von den Inhaltsstoffen aus dem Pulver in das Wasser. Eine Untersuchung im Journal Foods hat genau das gemessen.
„Der höchste Gehalt an bioaktiven Verbindungen der Teeaufgüsse lag bei 80 Grad Celsius bei relativ kurzer Ziehzeit“, berichten Jakubczyk und Kollegen (Original: „the highest content of bioactive compounds of tea infusions was at 80 °C during a relatively short brewing time“). Wobei du berücksichtigen solltest, dass du ohnehin alle Inhaltsstoffe aus dem Matchapulver aufnimmst, da du das gesamte Blatt konsumierst.
Und genau das ist der Punkt: 80 °C sind die Obergrenze. Wird das Wasser heißer, kippt nicht nur der Geschmack ins Bittere, ohne dass du mehr gewinnst. Sondern oberhalb von 80 °C verringern sich auch die antioxidativen Eigenschaften des Tees und du schädigst Inhaltsstoffe wie die Catechine, welche beginnen, ihre ursprüngliche Form zu verlieren und sich in weniger wirksame oder unwirksame Catechinformen umzuwandeln. Willst du die gesundheitsfördernden Eigenschaften vom Matcha behalten und auch einen besonders milden und süßen Geschmack, gehst du also etwas runter mit der Temperatur, auf rund 60 oder 70 Grad. So triffst du mit dem richtigen Matcha jedes Mal die Temperatur, bei der der Matcha perfekt schmeckt und wirkt. Diese Zusammenhänge zwischen Inhaltsstoffen und der Wirkung von grünem Tee machen Matcha so spannend.
7. Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Aus der Praxis: In unseren Verkostungen von über 250 Grüntees sehen wir bei Matcha immer wieder dieselben zwei Fehler. Kochendes Wasser und zu wenig Schwung beim Schlagen. Der Rest sind Kleinigkeiten, die sich schnell abstellen lassen.
- Zu heißes Wasser: Der Klassiker. Lass gekochtes Wasser immer erst auf rund 80 Grad abkühlen oder erhitze gleich auf deine Wunschtemperatur, sonst wird der Matcha bitter.
- Matchapulver nicht gesiebt: Ohne Sieb bleiben Klümpchen. Sieben ist am Ende aber optional, ein gutes Ergebnis erreicht auch, wer eventuelle Klümpchen mit dem Matcha-Besen fein schlägt. Dauert ggf. nur ein wenig länger.
- Zu langsam geschlagen: Wer rührt statt schlägt, bekommt keinen Schaum. Zügige Bewegungen aus dem Handgelenk sind der Schlüssel.
- Offen gelagertes Pulver: Matcha verliert Farbe und Aroma an Licht und Luft. Verschlossen und kühl hält er länger frisch.
- Gelbstichiger Matcha: Ein blasses, gelbliches Pulver deutet auf ältere Blätter oder schlechte Qualität hin. Guter Matcha ist leuchtend grün.
Es gibt allerdings einen Twist bei der Farbe: Leuchtendes Grün ist ein gutes Zeichen, aber keine Garantie. Es zeigt Chlorophyll und frische Verarbeitung, nicht automatisch einen hohen L-Theanin-Gehalt. Verlass dich am Ende auf den Geschmack. Je runder und umami-reicher der Matcha, desto besser die Qualität.
8. Fazit: deine perfekte Schale Matcha
Matcha zubereiten ist einfacher, als es aussieht. Merk dir die drei Stellschrauben: Wasser um die 80 Grad, etwa zwei Gramm gesiebtes Pulver auf 70 bis 80 Milliliter, und zügiges Schlagen aus dem Handgelenk. Der Rest ist Feinschliff nach deinem Geschmack.
Es ist der Moment, in dem der Schaum steht wie eine feine, moosgrüne Haube und der erste Schluck weich und vollmundig über die Zunge läuft. Kein Kratzen, keine Bitterkeit, nur diese runde Umami-Note und ein sanfter, klarer Wachheitsschub, der lange trägt. Genau dafür lohnen sich die neunzig Sekunden mit dem Bambusbesen.
9. Anhang: deine Matcha-Checkliste
Diese kurze Liste kannst du dir neben den Wasserkocher legen, bis die Handgriffe sitzen.
- Wasser kochen, dann auf rund 80 Grad abkühlen lassen
- Etwa 2 Gramm Matcha in die Schale sieben, das sind rund zwei Bambuslöffel
- Matcha Pulver mit 30 bis 40 Milliliter Wasser erst zu einer Paste rühren, das restliche Wasser dann zugeben bis 70 bis 80 Milliliter erreicht sind
- 30 bis 60 Sekunden zügig in M-Form schaumig schlagen
- Sofort trinken, solange der Schaum steht
- Pulver dicht verschlossen, trocken, kühl und dunkel lagern
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Häufige Fragen zur Matcha Zubereitung
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um grünen Tee und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Zusammenhänge beruhen auf wissenschaftlichen Studien, stellen aber keine Heilversprechen dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Koffein-Empfindlichkeit sprich bitte mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

