Winzige und große Teeschale nebeneinander als Bild für die Dosislücke bei der Wirkung von grünem Tee auf die Psyche
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Grüner Tee Wirkung Psyche: Ruhe ohne Müdigkeit

1. Einführung: was grüner Tee mit der Psyche macht

Eine Tasse grüner Tee, europäisch aufgegossen, liefert im Mittel 7,9 Milligramm L-Theanin. Studien, die eine messbare Wirkung auf Stress und Anspannung zeigen, arbeiten mit 200 bis 400 Milligramm am Tag. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt der ganze Grund, warum so viele Menschen von der beruhigenden Wirkung lesen und in der eigenen Tasse nichts davon wiederfinden.

Auf einen Blick:

  • Eine Übersichtsarbeit über acht Beobachtungsstudien fand bei hohem Grüntee-Konsum ein niedrigeres Risiko für depressive Symptome, mit einem gepoolten Odds Ratio von 0,66 (Yaegashi et al. 2022).
  • Die positive Wirkung auf Aufmerksamkeit und Stimmung entsteht nicht durch einen Einzelstoff, sondern durch das Zusammenspiel von Koffein und der Aminosäure L-Theanin (Mancini et al. 2017).
  • Für eine spürbare Entlastung unter Stress nennt eine systematische Übersicht 200 bis 400 Milligramm L-Theanin pro Tag (Williams et al. 2020).
  • Ein Standardaufguss von 200 Millilitern grünem Tee enthielt in einer HPLC-Messung nur 7,9 Milligramm L-Theanin, schwarzer Tee dagegen 24,2 Milligramm (Keenan et al. 2011).
  • EGCG hemmt in Zell- und Tiermodellen entzündliche Signalwege, unter anderem NF-κB, was die entzündungshemmende Wirkung von den Inhaltsstoffen aus grünem Tee erklärt (Mokra et al. 2023).

Die Wirkung von grünem Tee auf die Psyche ist die Summe aus drei Stoffgruppen: Koffein macht wach, die Aminosäure L-Theanin nimmt der Wachheit die Hektik, und die Katechine wirken antioxidativ und entzündungshemmend. Kein Einzelstoff erklärt den Effekt. Entscheidend sind das Verhältnis dieser Stoffe zueinander und die Menge, die tatsächlich in der Tasse landet.

Genau darum geht es hier. Nicht um eine weitere Liste angeblicher Effekte, sondern um den Mechanismus dahinter und um die Frage, was du konkret tun musst, damit aus dem Potenzial im Blatt ein Effekt in deinem Kopf wird. Wenn du zuerst die Grundlagen suchst, findest du sie in unserer Übersicht zur Dreifachwirkung von grünem Tee.

2. Warum grüner Tee überhaupt auf die Stimmung wirkt

Grüner Tee wirkt auf die Psyche über mindestens drei Wege: die Aminosäure L-Theanin verändert die Hirnaktivität, das Koffein hebt die Wachheit, und die Polyphenole greifen in Entzündungs- und Stressprozesse ein. Alle zusammen beeinflussen zudem das Darmmikrobiom positiv und damit die Darm-Hirn-Achse. Diese Wege laufen parallel. Das erklärt, warum ein konzentrierter Aufguss anders wirkt als eine Kapsel mit einem isolierten Wirkstoff.

2.1 L-Theanin und Koffein: das Duo im Kopf

L-Theanin ist eine seltene Aminosäure, die fast nur in der Teepflanze vorkommt und die Kaffee überhaupt nicht bildet. Sie entsteht in der Wurzel und wandert von dort über die Leitbahnen bis in das junge Blatt, wo sie den weichen Umami-Eindruck trägt.

Koffein und L-Theanin verhalten sich wie Gas und Bremse im selben Auto. Das Koffein beschleunigt, das L-Theanin hält das Fahrzeug in der Spur. Du fährst schnell, aber ruhig. Genau dieses Zusammenspiel ist der Grund, warum die anregende Wirkung von grünem Tee anders ausfällt als bei einem koffeinhaltigen Erfrischungsgetränk.

Eine systematische Übersicht über 21 Humanstudien aus Basel fasst es klar zusammen: „Vorteilhafte Effekte von grünem Tee auf die Kognition zeigen sich unter dem kombinierten Einfluss von Koffein und L-Theanin“ (Mancini et al. 2017). Dieselbe Arbeit hält fest, dass grüner Tee psychopathologische Symptome beeinflusst, etwa in Form einer Verringerung von Angst.

Du fragst dich jetzt vielleicht: Warum reicht dann nicht einfach eine L-Theanin-Kapsel? Weil die Wirkung aus dem Verhältnis entsteht. Isoliert betrachtet ist jeder der beiden Stoffe schwächer als die Kombination.

2.2 Katechine, oxidativer Stress und stille Entzündung

Die zweite Achse verläuft über die Katechine, die zur Gruppe der Polyphenole gehören. EGCG und ECG sind die bekanntesten. Sie zählen zu den Antioxidantien, können freie Radikale neutralisieren und so Schäden an Zellen entgegenwirken, die durch oxidativen Stress entstehen. Gemeint ist damit oxidativer Stress durch aggressive Sauerstoffradikale. Ihre Rolle für die Stimmung läuft aber über einen anderen Hebel.

Kurz zur Einordnung: Grüner Tee enthält viele dieser Verbindungen, weil die Blätter nach der Ernte gedämpft werden. Die Hitze stoppt das Enzym, das die Katechine sonst oxidieren würde. Genau dieser Schritt unterscheidet ihn von schwarzem Tee, bei dem das Enzym arbeiten darf.

Ein Review in Nutrients ordnet die Entzündungsachse als einen der zentralen Knotenpunkte im Depressionsgeschehen ein und schreibt: „Schwarztee-Theaflavine und EGCG sind starke entzündungshemmende Wirkstoffe über die Herunterregulierung des NF-κB-Signalwegs“ (Rothenberg und Zhang 2019). Dass grüner Tee entzündungshemmend wirken kann, ist molekular gut beschrieben: EGCG greift an Rezeptoren, Signalwegen und Transkriptionsfaktoren an, unter anderem hemmend auf NF-κB (Mokra et al. 2023).

Warum das für die Psyche zählt? Stille Entzündungsprozesse gelten heute als einer der Faktoren, die mit gedrückter Stimmung in Verbindung gebracht werden. Wer tiefer in die antioxidative Seite einsteigen will, findet die Details bei den Antioxidantien im grünen Tee.

Ein Vorbehalt gehört an diese Stelle. Die Katechine sind kein reiner Wohltäter für die Stimmung, denn in hoher Konzentration dämpfen sie ausgerechnet den Anti-Stress-Effekt des L-Theanins, weshalb ein katechinbetonter Aufguss die ruhige Seite der Wirkung eher schwächt als stärkt.

Der Aufguss ist deshalb kein Stapel isolierter Vorteile, sondern ein Gleichgewicht.

Konzept-Schema: Koffein, L-Theanin und Katechine wirken zusammen auf die Stimmung
Die drei Wirkachsen laufen parallel, der Effekt entsteht aus ihrem Verhältnis. Quellen: Mancini et al. 2017 und Rothenberg und Zhang 2019.

3. Was die Studienlage tatsächlich hergibt

Die Datenlage zur Wirkung von grünem Tee auf die Psyche ist besser als ihr Ruf, aber schwächer als die Werbeversprechen. Beobachtungsstudien zeigen konsistent einen Zusammenhang zwischen hohem Grünteekonsum und weniger depressiven Symptomen. Randomisierte kontrollierte Studien am Menschen, in der Literatur als randomized controlled trials geführt, sind seltener, kleiner und kürzer. Ein Kausalbeweis fehlt bei diesen Studien bislang.

Die genannte Übersichtsarbeit über acht Studien kommt auf ein gepooltes Odds Ratio von 0,66 bei hohem Grüntee-Konsum (Yaegashi et al. 2022). Die Autorinnen und Autoren schränken selbst ein, dass die einzige eingeschlossene Kohortenstudie das Signifikanzniveau nicht erreichte. Ein zweiter Übersichtsartikel berichtet ein Risikoverhältnis von 0,69 über die Teesorten hinweg (Rothenberg und Zhang 2019).

Und es kommt noch besser: Es gibt auch eine Interventionsstudie mit echtem Tee statt mit Kapseln. In einem randomized controlled trial über zwölf Wochen erhielten 51 Personen mittleren und höheren Alters täglich Matcha, Koffein oder Placebo. Das Fazit der Arbeit: „Die Einnahme von Matcha mit Koffein verbessert sowohl Aufmerksamkeit als auch Arbeitsleistung unter psychischer Belastung, verglichen mit Koffein allein“ (Baba et al. 2021).

Bemerkenswert daran ist die Dosis. Die tägliche Matcha-Portion enthielt nur 48 Milligramm L-Theanin, dazu 66 Milligramm Koffein und 170 Milligramm Katechine, also deutlich weniger L-Theanin als die Kapselstudien einsetzen, und trotzdem war der Effekt unter Belastung messbar.

Das stützt die Verhältnis-These: Es zählt das komplette Profil, nicht ein einzelner Wert. Wir haben bisher nicht eine Studie gefunden, welche die Wirkung von hochwertigen, inhaltsstoffreichen grünen Tees untersucht hat, welche so zubereitet wurden wie wir es empfehlen.

Balkendiagramm: Odds Ratio 0,66 und Risikoverhältnis 0,69 gegenüber der Vergleichsgruppe 1,00
Beobachtungsstudien, kein Kausalbeweis. Quellen: Yaegashi et al. 2022 und Rothenberg und Zhang 2019.

Wie steht es um deine Erwartung an eine einzelne Tasse?

4. Die Dosisfrage: warum die meisten nichts spüren

Unsere Position: Die Wirkung von grünem Tee auf die Psyche scheitert in Deutschland fast nie an der Pflanze. Sie scheitert an der Menge. Wer einen Teebeutel in 200 Milliliter heißes Wasser hängt, bekommt nach der Messung von Keenan und Kollegen im Schnitt 7,9 Milligramm L-Theanin. Eine Tasse Grüntee liefert damit rechnerisch etwa ein Fünfundzwanzigstel der Menge, mit der Studien arbeiten.

Das ist, als würdest du dir mit der Rasierklinge einen Krümel von einer Schmerztablette abschaben und dich anschließend wundern, dass die Kopfschmerzen bleiben. Beim Kaffee macht das intuitiv fast niemand falsch: genug Pulver, kräftig gebrüht. Beim grünen Tee fehlt dieses Wissen fast vollständig, obwohl dahinter dieselbe simple Logik steckt.

Die zitierte Übersicht formuliert die Zielgröße unmissverständlich: „Eine Zufuhr von 200 bis 400 Milligramm L-Theanin pro Tag kann helfen, Stress und Angst bei Menschen zu reduzieren, die stressigen Bedingungen ausgesetzt sind“ (Williams et al. 2020).

Drei Stellschrauben schließen die Lücke.

Erstens die Qualität, denn was nicht im Blatt steckt, kann keine Ziehzeit und keine Temperatur mehr herauslösen. Zweitens die Menge Blatt pro Tasse. Drittens die Zahl der Portionen über den Tag, weil sich die Tagesdosis genau wie beim Kaffee aus allen Tassen zusammensetzt und nicht aus der ersten.

Aus der Praxis: In über 250 verkosteten japanischen Grüntees und der Selektion aus 62 Kultivaren zeigt sich der Unterschied sehr deutlich. Saemidori trägt bis zu dreimal so viel L-Theanin wie das in Deutschland verbreitete Yabukita. Bei gleicher Blattmenge liegt allein dadurch ein Faktor drei zwischen zwei Tassen, die im Regal beide schlicht „grüner Tee“ heißen.

Zwei Effekte multiplizieren sich hier also: mehr Wirkstoff im Blatt und mehr Blatt in der Kanne. Die traditionelle japanische Zubereitung nutzt beides.

Statistik-Callout: 7,9 Milligramm L-Theanin in einer Standardtasse grünem Tee
Zwischen Standardtasse und Studiendosis liegt der Faktor, der über den Effekt entscheidet. Quellen: Keenan et al. 2011 und Williams et al. 2020.

Die Studie von Keenan et al. 2011 ist beispielhaft für die zahlreichen Studien, welche durch ihre Studienergebnisse vermuten lassen, dass überwiegend niedrige Teequalitäten und wenig wirksame Zubereitungsmethoden verwendet werden. Denn unsere Analysewerte zeigen, dass bei der Wahl von hochwertigem japanischem Tee mit der richtigen Zubereitung, problemlos 200 mg und mehr L-Theanin pro Tasse möglich sind. Würden Studien ausschließlich auf sehr hohen Teequalitäten und pharmazeutischen Zubereitungsprinzipien basieren (z.B. Qualität, Dosis, Konzentration) wäre zu erwarten, dass die Studienergebnisse die Effekte von grünem Tee klarer und differenzierter zeigen könnten. Die Ursache ist also vermutlich fehlendes Wissen um die starken Qualitätsunterschiede bei grünem Tee und deren Einfluss auf den Inhaltsstoffgehalt. Zudem nicht angewandtes Wissen über die Faktoren der Zubereitung, die beeinflussen, wie die Inhaltsstoffe aus grünem Tee herausgelöst werden. Und hier ist das Dilemma: Beide Schlüsselerkenntnisse (Qualität und Zubereitung) sind essenziell und fehlen in den Studien bisher. Erst wenn beide zusammen berücksichtigt werden, wird der Unterschied stark spürbar.

Ein Tee, der für Umami und Ruhe gezüchtet wurde

  • Lang beschattet, dadurch aminosäurereich statt gerbstoffbetont
  • Erste Ernte, junges Blatt, sortenrein aus Japan
  • Bio nach EU-Öko-Verordnung, jede Charge in Göttingen geprüft
  • Gedacht für 5 bis 7 Gramm Blatt, nicht für den dünnen Aufguss

5. Der richtige Tee und der richtige Aufguss

Für die Psyche eignen sich die aminosäurereichen japanischen Tees: Gyokuro, Kabusecha und Matcha, dazu erster Sencha. Sie werden beschattet oder früh geerntet, und genau das hält den L-Theanin-Gehalt oben. Bancha und Hojicha aus alten Blättern sind dafür die falsche Wahl.

5.1 Woran du einen theaninreichen Tee erkennst

Der zuverlässigste Hinweis ist der Geschmack, nicht die Farbe. Je intensiver das Umami wirkt, also dieser herzhafte Eindruck zwischen Algenblatt und heller Brühe, desto mehr Aminosäuren stecken im Blatt und desto eher spürst du die ruhige Seite der Wirkung.

Ein leuchtendes Grün sagt dagegen vor allem etwas über Chlorophyll und damit über eine frühe Ernte aus. Es ist ein Qualitätssignal, aber kein Theanin-Messwert. Wusstest du, dass ein theaninarmes Kultivar auch nach wochenlanger Beschattung grün bleibt?

Achte außerdem auf konkrete Angaben: Kultivar, Erntezeitpunkt, Anbauregion. Ein Etikett mit „Premium“ darf jeder bedrucken. Ein Etikett mit „Saemidori, erste Ernte, Kagoshima, 28 Tage beschattet“ verpflichtet.

5.2 Schritt für Schritt zum ruhigen Fokus

  1. Blatt großzügig dosieren: 5 bis 7 Gramm auf etwa 160 Milliliter Wasser. Das ist die traditionelle japanische Relation und der wichtigste Hebel überhaupt.
  2. Wasser abkühlen lassen: Gyokuro bei 50 bis 60 Grad, Sencha darüber, aber nie über 80 Grad. Oberhalb dieser Grenze werden die Katechine strukturell umgebaut, sie epimerisieren (Wang und Helliwell 2000).
  3. Kurz ziehen, mehrfach aufgießen: Der erste Aufguss holt viel Aminosäure, der zweite mehr Gerbstoff. Zwei bis drei Aufgüsse ergeben zusammen eine sinnvolle Tagesmenge.
  4. Über den Tag verteilen: Zwei bis vier konzentrierte Portionen bringen dich in einen Bereich, in dem überhaupt etwas passieren kann.
  5. Auf Milch verzichten: Größere Milchmengen senken das messbar verfügbare L-Theanin deutlich. Warum das so ist, steht im Beitrag zu grünem Tee mit Milch.

Die Temperatur ist dabei der feinste Regler. Aminosäuren lösen sich schon in lauwarmem Wasser gut, Gerbstoffe brauchen Hitze. Zwanzig Grad Unterschied entscheiden deshalb darüber, ob du die weiche oder die herbe Seite desselben Blattes in der Tasse hast.

Denk an den Mischhebel einer Dusche: dieselben zwei Leitungen, ein kleiner Dreh, ein völlig anderes Ergebnis. Kühler aufgegossen verschiebst du das Verhältnis in Richtung Ruhe, heißer in Richtung Adstringenz.

Wann hast du zuletzt nachgemessen, wie heiß dein Wasser wirklich war?

Skala der Wassertemperatur von 40 bis 100 Grad mit Grenze bei 80 Grad
Die Temperatur verschiebt das Verhältnis von Aminosäuren zu Gerbstoffen. Quellen: Performience Grüntee-Wissensdatenbank und Wang und Helliwell 2000.

6. Häufige Fehler und klare Grenzen

Fünf Fehler kosten den Effekt zuverlässig: zu wenig Blatt, zu heißes Wasser, zu alte Blattqualität, Milch und die Erwartung, dass eine einzelne Tasse etwas ausrichtet. Dazu kommt eine Grenze, die kein Aufguss verschiebt: Grüner Tee ist ein Lebensmittel und kein Medikament.

Bevor du das umsetzt, kurz auf die Bremse: Mehr ist nicht automatisch besser. Für gesunde Erwachsene gelten laut EFSA Einzeldosen bis 200 Milligramm Koffein und bis 400 Milligramm über den Tag als unbedenklich, in der Schwangerschaft 200 Milligramm pro Tag. Konzentrierter Gyokuro kommt einer Einzeldosis von 200 Milligramm sehr nahe.

Wenn du Medikamente nimmst, schwanger bist oder stillst, sprich vor einer Umstellung mit deinem Arzt oder deiner Ärztin. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind bei koffeinhaltigen Getränken und bei Polyphenolen möglich.

Ein eigener Punkt sind Grüntee-Extrakte oder -Konzentrate. Sie sind kein stärkerer Tee, sondern ein anderes Produkt: hochkonzentrierte Katechine ohne das restliche Profil. Behörden weisen auf Risiken für die Leber bei hohen Extraktdosen hin. Wir empfehlen sie in keinem Fall.

Und was ist mit Kaffee? Wer täglich grünen Tee trinkt, tauscht nicht Wachheit gegen Müdigkeit. Er tauscht eine steile Kurve gegen eine flache.

6.1 Was oft mit der Psyche vermischt wird

In den meisten Ratgebern stehen die Effekte auf die Gesundheit als ein einziger Block: Bluthochdruck, Blutfette, ein möglicher schützender Effekt auf das Herz-Kreislauf-System sowie den Zuckerstoffwechsel, dazu der Energiestoffwechsel, den Katechine und Koffein ankurbeln sollen. Den enthaltenen Katechinen wird sogar eine lebensverlängernde Wirkung zugesprochen.

Das sind eigene Fragen mit eigener Studienlage, und die gesundheitsfördernde Wirkung auf den Stoffwechsel sagt nichts über deine Stimmung aus. Auch bei mild cognitive impairment, also leichter kognitiver Beeinträchtigung im Alter, laufen eigene Untersuchungen. Grüner Tee kann keiner Erkrankung vorbeugen, und wir behaupten das auch nicht.

7. Fazit

Grüner Tee wirkt auf die Psyche, aber nicht als Zaubertrank und nicht in homöopathischer Dosis. Die Studien zeigen einen konsistenten Zusammenhang mit weniger depressiven Symptomen, einen belegten Effekt der Kombination aus Koffein und L-Theanin auf Aufmerksamkeit und Anspannung, und eine klare Größenordnung, ab der etwas messbar wird.

Lass uns kurz auf das Wesentliche zoomen: Qualität, Dosis, Konzentration. Drei Prinzipien, ohne die jede Wirkung im Blatt liegen bleibt.

Das Zielbild ist konkret. Es ist Dienstagnachmittag, die Kanne steht neben dem Bildschirm, das Wasser hat 55 Grad. Du schmeckst diese dichte, leicht würzige Umami-Note, die im Rachen weich wird statt zusammenzuziehen. Zehn Minuten später ist der Kopf klarer, aber nicht schneller. Genau das ist der Unterschied zwischen Wachheit und Getriebenheit.

8. Anhang: Checkliste für die Wirkung auf die Psyche

  • Sorte mit hohem Aminosäureanteil gewählt (Gyokuro, Kabusecha, Matcha, erster Sencha)
  • Kultivar, Ernte und Herkunft stehen auf der Verpackung
  • 5 bis 7 Gramm Blatt auf rund 160 Milliliter dosiert
  • Wassertemperatur unter 80 Grad, bei Gyokuro 50 bis 60 Grad
  • Zwei bis vier Portionen über den Tag statt einer einzelnen Tasse
  • Keine großen Milchmengen, keine Extrakte, kein kochendes Wasser
  • Koffeingrenzen im Blick, bei Medikamenten oder Schwangerschaft ärztlich abgeklärt

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Häufige Fragen zur Wirkung von grünem Tee auf die Psyche

Beobachtungsstudien verbinden regelmäßigen Konsum mit weniger depressiven Symptomen; eine Übersicht über acht Studien nennt ein Odds Ratio von 0,66. Ein Kausalbeweis ist das nicht. Für die Stimmung zählt vor allem, dass genug L-Theanin und Koffein in der Tasse ankommen. Wir können dir den stimmungsaufhellenden und stresssenkenden Effekt aus unserer subjektiven Erfahrung definitiv bestätigen. Erleben tust du das aber nicht in dem du noch mehr über grünen Tee liest, sondern den richtigen trinkst 😉.

Die akute Wachheit setzt innerhalb einer halben Stunde ein, weil sie vom Koffein getragen wird. Die ruhigere Komponente aus dem L-Theanin ist im selben Zeitfenster wirksam. Effekte auf Stressbelastung wurden dagegen über Wochen kontinuierlicher Einnahme gemessen, nicht nach einer Tasse. Wir spüren unsere Tees aber ab der ersten Tasse, weil Qualität, Dosis und Konzentration stimmen.

Aminosäurereiche japanische Tees passen am besten: Gyokuro, Kabusecha, Matcha und erster Sencha. Sie werden beschattet oder früh geerntet, und beides hält den L-Theanin-Gehalt hoch. Tees aus alten Blättern wie Bancha liefern deutlich weniger davon.

In einer HPLC-Messung enthielt eine Standardtasse von 200 Millilitern grünem Tee 7,9 Milligramm L-Theanin, schwarzer Tee 24,2 Milligramm. Gemessen wurde handelsüblicher Beuteltee in europäischer Zubereitung. Mit mehr Blatt, weniger Wasser und einem aminosäurereichen Kultivar liegt der Wert deutlich höher. Bei unseren Gyokuro sind es laut unseren Berechnungen bis zu 226 mg pro Tasse.

Die enthaltenen Katechine, allen voran EGCG, greifen in Entzündungswege ein und hemmen unter anderem den NF-κB-Signalweg. Das ist molekular gut beschrieben. Ein Heilversprechen darf man daraus aus verschiedenen Gründen nicht ableiten. Wohl aber trägt grüner Tee als hochwertiges Lebensmittel, richtig zubereitet, zu einer hohen Lebensqualität bei. Das zeigen zahlreiche Studien aus z.B. Japan.

Nein. Grüntee-Extrakte oder -Konzentrate liefern hochkonzentrierte Katechine ohne das übrige Profil, und Behörden weisen auf Risiken für die Leber bei hohen Dosen hin. Die untersuchte Wirkung auf die Psyche stammt aus dem Zusammenspiel im Aufguss, nicht aus einem isolierten Stoff.

Nein. Grüner Tee ist ein Lebensmittel und kein Arzneimittel. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit, Angst oder Schlafproblemen gehört die Abklärung in ärztliche oder psychotherapeutische Hände. Als Baustein im Alltag kann er trotzdem sinnvoll sein.

  • Über den Autor

    Simon Dieckmann ist Experte für grünen Tee und Gründer von Performience. Nach einer schweren Erkrankung durch Dysbiose studierte er über zehn Jahre lang tausende wissenschaftliche Studien zu grünem Tee, Darmgesundheit und natürlicher Leistungssteigerung. Mit seinem M.Sc. in Forstwissenschaften und Waldökologie (Universität Göttingen) verfügt er über ein tiefes Verständnis für die Einflussfaktoren auf Qualität und Inhaltsstoffe von grünem Tee. Seine fünfjährige Expertise u. a. in einem der besten Teegeschäfte Deutschlands macht ihn zum Spezialisten für Auswahl, Bewertung und traditionelle Zubereitung von hochwertigem grünem Tee aus Japan.
    Simon Dieckmann
    Grünteeexperte und CEO Performience

Disclaimer: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um grünen Tee und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Zusammenhänge beruhen auf wissenschaftlichen Studien, stellen aber keine Heilversprechen dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Koffein-Empfindlichkeit sprich bitte mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

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