Was ist Matcha Tee? Herstellung, Zubereitung, Wirkung
1. Einführung: Was ist Matcha und was macht ihn besonders?
Die meisten Ratgeber würden dir jetzt sagen: Matcha ist ein grünes Pulver, gesund und gut für den Latte. Das stimmt nur zur Hälfte. Auf zwei Dosen kann dasselbe Wort stehen, und darin steckt etwas völlig anderes.
Auf einen Blick:
- Herkunft: Matcha ist gemahlener Tencha. Das sind die Blätter beschatteter Teepflanzen, gedämpft, ungerollt getrocknet und ohne Stiele und Blattadern. Erst das Mahlen in der Steinmühle macht daraus Matcha (GJTEA).
- Rechtslage: Der Begriff Matcha ist im Lebensmittelrecht nicht geschützt. Herkunft, Ernte und Geschmack verraten die Qualität, nicht das Etikett (Verbraucherzentrale).
- Koffein: Bei Matcha trinkst du das ganze Blatt. In unserer Messung lieferte Performience-Matcha 77 mg Koffein pro Schale (2 g Pulver auf 80 ml). Für eine europäisch aufgegossene Tasse Grüntee (200 ml) nennt das BfR rund 30 mg. Pulvermenge, Ernte und Beschattung verschieben den Wert.
- Aluminium: Junge Teeblätter enthalten typischerweise 250–660 µg/g Aluminium, alte 4.300–10.400 µg/g (Yang et al. 2022). Weil du beim Matcha das ganze Blatt trinkst, ist die frühe Ernte hier besonders wichtig.
Matcha ist fein gemahlener japanischer Grüntee aus Tencha. Die Teepflanzen werden vor der Ernte mehrere Wochen beschattet, die jungen Blätter gedämpft, getrocknet, von Stielen und Blattadern befreit und in Steinmühlen zu Pulver gemahlen. Anders als beim Blattaufguss trinkst du das ganze Blatt mit, schaumig aufgeschlagen in Wasser.
Damit ist Matcha eine Sonderform des grünen Tees. Bei Sencha oder Gyokuro entscheidet die Zubereitung, welche Inhaltsstoffe im Wasser landen und welche im Blatt bleiben. Wie das beim Blattaufguss funktioniert, erklären wir in unserem Ratgeber zur richtigen Zubereitung von grünem Tee. Beim Matcha fällt dieser Filter weg.
Genau das macht ihn spannend.
Und genau das macht die Qualität des Pulvers so entscheidend.
2. Herstellung von Matcha: vom Schattenfeld in die Steinmühle
Die Herstellung von Matcha ist aufwendig, denn sie beginnt Wochen vor der Ernte auf dem Feld und endet in einer Mühle, die in einer ganzen Stunde nur eine Handvoll Pulver schafft. Jeder Schritt hat einen Grund.
2.1 Woraus besteht Matcha?
Matcha stammt wie jeder grüne Tee von der Teepflanze Camellia sinensis. Gepflückt werden die jungen Blätter der ersten Ernte. Sie werden kurz gedämpft, damit sie nicht oxidieren, anschließend getrocknet, ohne sie zu rollen, und danach von Stielen und Blattadern befreit, die im feinen Pulver nur stören würden. Was übrig bleibt, heißt Tencha.
Die Global Japanese Tea Association bringt den Unterschied auf den Punkt: „Matcha ist im Grunde Tencha, und erst wenn er zu Pulver gemahlen ist, darf er Matcha heißen“ (GJTEA).
Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde in Japan fast nur Tencha gehandelt. Gemahlen wurde erst kurz vor dem Trinken, so wie man Kaffeebohnen frisch mahlt.
2.2 Warum werden die Teepflanzen beschattet?
Traditionell werden die Teesträucher für Tencha etwa 2 bis 3 Wochen vor der Pflückung beschattet (Verbraucherzentrale). Ohne direkte Sonne baut die Pflanze weniger L-Theanin zu Catechinen um und bildet mehr Chlorophyll. Das ergibt die tiefe grüne Farbe und den runden, weniger herben Geschmack.
Die Beschattung wirkt wie eine Zimmerpflanze, die du vom Südfenster in den Halbschatten stellst: Die Blätter werden dunkler und zarter, weil die Pflanze mit weniger Licht auskommen muss.
Klingt logisch, wenn da nicht ein Detail wäre: Die Farbe sagt nichts Sicheres über das L-Theanin. Leuchtendes Grün zeigt vor allem Chlorophyll, also frühe Ernte und frische Verarbeitung. Der zuverlässigere Hinweis auf viel L-Theanin ist der Umami-Geschmack. Übrigens steigt unter dem Schattennetz auch das Koffein, nicht nur das Theanin.
2.3 Wie wird Matcha gemahlen?
Gemahlen wird klassisch in Steinmühlen aus Granit. Laut Global Japanese Tea Association schafft eine solche Mühle rund 40 Gramm Tee pro Stunde, weil sie langsam und gleichmäßig drehen muss. Zu schnelles Mahlen erzeugt Reibungswärme, und Wärme kostet Aroma.
Das ist wie bei einer Pfeffermühle, die du nicht im Akkuschrauber drehst. Langsam gemahlen bleibt der Duft im Pulver, statt in der Luft zu verfliegen.
Das Ergebnis ist ein Pulver, das die Verbraucherzentrale treffend als „zu feinstem Pulver vermahlener grüner Tee“ beschreibt. Diese feinen Partikel schweben später im Wasser und machen Matcha samtig.
Kurz gesagt: Matcha entsteht in fünf Schritten. Die Teepflanzen werden vor der Ernte beschattet, die jungen Blätter gedämpft und ungerollt getrocknet. Nach dem Entfernen von Stielen und Blattadern bleibt Tencha. Erst in der Steinmühle, die nur rund 40 Gramm pro Stunde schafft, wird daraus Matcha.
3. Matcha und herkömmlicher Grüntee: der Unterschied in der Tasse
3.1 Was unterscheidet Matcha von Sencha und Gyokuro?
Beim Blattaufguss ist es wie bei einer Brühe: Das Suppengrün bleibt im Sieb, du trinkst nur, was ins Wasser übergegangen ist. Beim Matcha landet alles im Teller. Das gemahlene Blatt wird mit dem Bambusbesen ins Wasser geschlagen und vollständig getrunken.
Das hat zwei Seiten. Du nimmst pro Portion mehr Inhaltsstoffe auf, auch fettlösliche wie Vitamin K, die beim Aufguss im Blatt bleiben. Gleichzeitig kann die Zubereitung nichts zurückhalten, auch keine Gerbstoffe und keine Schadstoffe aus dem Blatt. Bei einem japanisch gebrühten Gyokuro sorgt kühles Wasser dafür, dass bevorzugt die Aminosäuren in die Tasse kommen, während viele der herben Gallat-Catechine im Blatt zurückbleiben. Beim Matcha bestimmt das Pulver, was in der Schale landet.
Zwei Wege also, kein Besser oder Schlechter. Matcha ist der Weg des ganzen Blatts, Gyokuro der Weg der gezielten Auswahl.
3.2 Ist gemahlener Grüntee dasselbe wie Matcha?
Nein, auch wenn beides grünes Pulver ist. Der Begriff hilft dir dabei leider nicht weiter. Die Verbraucherzentrale hält fest: „Der Begriff Matcha ist im Lebensmittelrecht nicht geschützt.“ (Verbraucherzentrale). Es gibt also keine festgelegten Eigenschaften und Herstellungsmerkmale, die ein Pulver erfüllen muss.
Japanische Forschende haben deshalb gemessen, was wirklich in den Dosen steckt. Bei Matcha für die Teezeremonie lag der L-Theanin-Gehalt bei mindestens 1,8 g pro 100 g Trockenmasse, das Chlorophyll a bei mindestens 250 mg pro 100 g. Die meisten Pulver für die Lebensmittelindustrie und gemahlener Grüntee lagen darunter (Horie et al. 2017). Untersucht wurden japanische Handelsproben, die Werte sind also Orientierungsmarken und keine Obergrenze.
Eine zweite Studie verglich Handelsware in den USA mit Preisen von 4,30 bis 160 Dollar pro 100 g. Ihr Fazit, übersetzt: „Trotz großer Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung gegenüber den hochpreisigen Pulvern für die Teezeremonie werden die günstigeren Tees auf dem US-Markt ebenfalls als ‚Matcha‘ verkauft“ (Horie et al. 2018). Die teuren Proben enthielten mehr Chlorophyll und mehr freie Aminosäuren wie L-Theanin.
Noch deutlicher wird es bei einer Untersuchung der Universität Shizuoka. Dort erfüllten 32 von 76 in Japan gekauften Matcha-Proben das aminosäurereiche Profil, das die Forschenden als typisch für guten Matcha ansahen. Von 67 im Ausland gekauften Proben schaffte das nur eine einzige (Unno et al. 2018). Welche Ernte und welcher Kultivar in den Proben steckten, ist nicht bekannt.
Unsere Position: Die übliche Einteilung in „Ceremonial“ für pur und „Culinary“ für Latte und Backen halten wir für die falsche Frage. Beide Begriffe sind nicht geschützt. Was zählt, sind Messbares und Schmeckbares: erste Ernte, Beschattung, Kultivar, Herkunft und ein deutliches Umami. Ein Pulver, das pur nicht schmeckt, wird im Latte nicht besser, es wird nur überdeckt.
Aus der Praxis: Bei über 250 verkosteten Grüntees und der Selektion aus 62 japanischen Kultivaren sehen wir immer wieder dasselbe Muster. Wie viel Umami in der Schale ankommt, hängt am Anbau und am Kultivar, nicht an der Bezeichnung auf der Dose.
Kurz gesagt: Echter Matcha ist gemahlener Tencha aus beschatteten Blättern der ersten Ernte. Weil der Begriff nicht geschützt ist, landet auch einfacher gemahlener Grüntee unter diesem Namen im Handel. Studien an Handelsware zeigen große Unterschiede bei L-Theanin und Chlorophyll, besonders zwischen Ware aus Japan und Ware aus dem Ausland.
Dein Matcha aus beschattetem Tencha
- Bio-Matcha Kanayamidori aus Miyazaki, in der Steinmühle gemahlen
- Aus beschattetem Tencha, samtig und mit rundem Umami
- Bei rund 70 °C mit dem Chasen schaumig aufgeschlagen
- In Göttingen persönlich geprüft und von Hand abgepackt, kein Dropshipping
4. Inhaltsstoffe und Wirkung von Matcha
Wann hast du zuletzt auf eine Matcha-Dose geschaut und eine konkrete Zahl gefunden? Meist steht dort nur „reich an“ oder „Superfood“. Hier sind die Fakten, jeweils mit Bedingung.
4.1 Wie viel Koffein steckt in Matcha?
In unserer Messung enthielt eine Schale Performience-Matcha mit 2 g Pulver auf 80 ml Wasser 77 mg Koffein. Zum Vergleich nennt das BfR für eine Tasse grünen Tee mit 200 ml rund 30 mg und für einen Espresso mit 60 ml rund 80 mg. Beim Koffein liegt eine Schale Matcha also nah am Espresso.
Matcha enthält damit mehr Koffein als herkömmlicher Grüntee, wenn dieser europäisch aufgegossen wird, also mit wenig Blatt und viel Wasser. Bei traditionell japanischer Zubereitung dreht sich das Bild: Ein Gyokuro mit 7 g Blatt auf 200 ml lag in unserer Messung bei 224 mg. Wer Matcha und Blatttee miteinander vergleicht, sollte deshalb immer beide Mengen mitnennen, also wie viel Pulver oder Blatt auf wie viel Wasser kommt, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen.
Der Koffeingehalt hängt außerdem an Ernte und Beschattung: Junge, beschattete Blätter enthalten eher mehr Koffein als ältere. Mehr Details dazu findest du in unserem Beitrag Matcha und Koffein.
4.2 Welche Inhaltsstoffe stecken in Matcha?
Drei Gruppen machen den Charakter aus. L-Theanin ist eine Aminosäure, die fast nur in der Teepflanze vorkommt und den Umami-Geschmack trägt. Koffein sitzt vor allem in Knospe und jungen Blättern. Catechine wie EGCG sind die herben Gerbstoffe des Tees.
Eine einfache Rechnung zeigt, was das Qualitätskriterium aus Japan bedeutet: Bei mindestens 1,8 g L-Theanin pro 100 g stecken in einer Portion von 2 g mindestens rund 36 mg L-Theanin. Gute Ware liegt darüber, einfache darunter. Der Wert schwankt mit Kultivar, Ernte und Beschattungsdauer.
Lass uns kurz auf das Wesentliche zoomen: Oft liest du, Matcha habe 137-mal mehr Antioxidantien als grüner Tee. Das ist ein Mythos. Die Zahl stammt aus dem Vergleich einer einzigen Matcha-Probe mit einem einzigen einfachen Grüntee namens „China Green Tips“. Gegenüber dem höchsten Literaturwert für andere Grüntees nennen die Autoren selbst „mindestens dreimal“ so viel EGCG (Weiss und Anderton 2003). Catechine gelten im Reagenzglas als Antioxidans und fangen dort freie Radikale ab; was davon im Körper ankommt, ist eine andere Frage.
4.3 Wie gesund ist Matcha?
Für Matcha gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Werbeaussage, darauf weist auch die Verbraucherzentrale hin. Das bedeutet nicht, dass Matcha nichts kann. Es bedeutet, dass die gesundheitlichen Vorteile von Matcha als Potenzial im Blatt liegen und ob sie bei dir ankommen, an drei Bedingungen hängt.
- Qualität: Was nicht im Blatt ist, kann auch im Pulver nicht ankommen. Erste Ernte, Beschattung und Kultivar legen fest, wie viel L-Theanin drin ist.
- Dosis: Eine Prise Matcha im Müsliriegel ist etwas anderes als eine Schale mit 2 g Pulver.
- Konzentration: Viel Pulver auf wenig Wasser ergibt eine andere Schale als ein großer, verdünnter Becher.
Viele unserer Kunden beschreiben Matcha als wach machend und zugleich sanfter als Kaffee. Das ist Erfahrung, kein Studienergebnis, und sie hängt an genau diesen drei Bedingungen.
Und beim Abnehmen? Hier gibt es keinen zugelassenen Claim, und wir versprechen auch keinen. Frei ist nur die einfache Rechnung: Eine Schale Matcha mit Wasser bringt praktisch keine Kalorien mit, ein gesüßter Latte schon.
Kurz gesagt: Eine Schale Matcha mit 2 g Pulver liefert in unserer Messung 77 mg Koffein, ähnlich viel wie ein Espresso. Dazu kommen L-Theanin und Catechine, deren Menge mit Ernte, Beschattung und Kultivar schwankt. Ob die Inhaltsstoffe wirken können, hängt an Qualität, Dosis und Konzentration.
5. Zubereitung von Matcha Tee: so gelingt die Schale
Für die klassische Zubereitung von Matcha Tee brauchst du eine Matcha Schale (Chawan), einen Bambusbesen (Chasen), einen Bambuslöffel und ein feines Sieb. Ausführlich mit allen Varianten erklären wir das in der Anleitung wie man Matcha zubereitet.
Bevor du das umsetzt, kurz auf die Bremse: Der häufigste Fehler ist nicht die Technik, sondern zu heißes Wasser. Mit heißem Wasser direkt aus dem Kocher wird Matcha bitter.
- Schale vorwärmen: Gieße etwas warmes Wasser in die Schale und gieße es wieder ab.
- Pulver sieben: Siebe 2 g Matcha, das sind etwa zwei gehäufte Bambuslöffel, in die Schale. So entstehen keine Klümpchen.
- Wasser abkühlen lassen: Nimm Wasser mit rund 70 °C, für eine süßere Schale 60 °C. 80 Grad Celsius ist die Obergrenze, heißer sollte es nie sein.
- Paste anrühren: Gib zuerst einen kleinen Schluck Wasser dazu und verrühre das Pulver zu einer glatten Paste.
- Aufschlagen: Fülle auf etwa 80 ml auf und schlage mit dem Chasen zügig in M-Bewegungen, bis eine feine, schaumige Oberfläche entsteht.
- Sofort trinken: Trinke den Matcha frisch und lass ihn nicht warm stehen.
Der letzte Punkt hat einen Grund: Im Teepulver bleibt ein blatteigenes Enzym aktiv, das bei längerem Stehen in warmem Wasser Pheophorbid bildet (Kohata et al. 1998). Dieser Stoff kann die Haut lichtempfindlicher machen. Wer Matcha trinkt, trinkt ihn deshalb am besten direkt nach dem Aufschlagen.
5.1 Und der Matcha Latte?
Der Matcha Latte ist die eine Ausnahme, bei der Milch zum Rezept gehört. Bei grünem Tee empfehlen wir sonst keine Milch, weil Milcheiweiß einen Teil der Catechine bindet. Wenn Latte, dann mit demselben Pulver, das auch pur schmeckt. Der Schaum und die Milch überdecken nur, sie verbessern nichts.
5.2 Wie schmeckt Matcha?
Guter Matcha riecht schon im trockenen Pulver frisch, nach junger Wiese und etwas Süßem. Der erste Schluck ist samtig und cremig, mit rundem Umami wie eine klare Brühe. Danach bleibt eine leise Süße am Gaumen, in unseren Verkostungen bei guten Pulvern lange und ohne bitteren Nachklang.
Schmeckt Matcha deutlich bitter oder flach, liegt das fast immer an einer von zwei Ursachen: zu heißes Wasser oder ein Pulver aus späterer Ernte, in dem mehr herbe Gerbstoffe und weniger Aminosäuren stecken. Den Geschmack von Matcha bestimmt die Qualität stärker als jeder Besen.
Kurz gesagt: Für eine Schale Matcha siebst du 2 g Pulver, rührst es mit wenig Wasser von rund 70 °C zur Paste und schlägst es auf etwa 80 ml mit dem Bambusbesen schaumig. 80 °C ist die Obergrenze. Getrunken wird sofort, und beim Matcha Latte gilt dasselbe Qualitätsmaß wie pur.
6. Qualität und Schadstoffe: worauf du bei Matcha achten solltest
6.1 Enthält Matcha Aluminium?
Die Teepflanze nimmt Aluminium aus dem Boden auf und lagert es in den Blättern ein. Beim Blattaufguss geht nur ein kleiner Teil davon ins Wasser, beim Matcha trinkst du das ganze Blatt. Die Verbraucherzentrale schreibt dazu: „Zudem können ältere Teeblätter mehr Aluminium aufweisen als jüngere Blätter.“ (Verbraucherzentrale).
Wie groß dieser Unterschied ist, zeigt eine Übersicht aus Hawaii: Junge Blätter enthalten typischerweise 250–660 µg/g Aluminium, alte dagegen 4.300–10.400 µg/g, also mindestens das Zehnfache (Yang et al. 2022). Für Matcha heißt das: Pulver aus jungen Blättern der ersten Ernte bringt deutlich weniger Aluminium mit als Pulver aus späten, groben Blättern, die schon eine ganze Saison lang am Strauch gewachsen sind. Für Schwermetalle wie Blei gilt dasselbe Prinzip: Was im Blatt ist, trinkst du mit.
Die Verbraucherzentrale rät bei Produkten ohne Zubereitungsempfehlung vorsorglich zu höchstens 1 g Pulver pro Tasse, dreimal am Tag. Unsere Haltung: Trinke Matcha nur in Maßen als eines von mehreren Getränken und achte vor allem auf die Herkunft der Blätter. Mehr zum Thema findest du in unserem Ratgeber zu grünem Tee ohne Schadstoffe.
6.2 Woran erkennst du guten Matcha?
Es gibt einen Grund, warum du nach „was ist Matcha“ gesucht hast: Du willst wissen, ob dein Pulver echt ist. Diese Merkmale helfen dir.
- Herkunft: Japan mit konkreter Region. Fehlt die Herkunft, ist das ein Warnsignal.
- Ernte: Hochwertiger Matcha stammt aus der ersten Ernte. Das bedeutet junge Blätter mit mehr L-Theanin und weniger Aluminium.
- Bio: Bio Matcha ist sinnvoll, weil du das ganze Blatt trinkst. Bio ist ein kontrolliertes Siegel, „Premium“ darf dagegen jeder draufschreiben.
- Geschmack: Deutliches Umami und leise Süße statt Bitterkeit.
- Frische: Kleine, lichtdichte Dose. Nach dem Öffnen am besten innerhalb von zwei bis vier Wochen aufbrauchen.
Eine leuchtend grüne Farbe ist ein gutes Zeichen für Frische und frühe Ernte, aber kein Beweis für viel L-Theanin. Bei hoher Qualität passen Farbe, Duft und Umami zusammen.
Wo du vor Ort in Südniedersachsen guten Matcha findest, haben wir in unserem Beitrag zu Matcha in Göttingen zusammengestellt.
6.3 Für wen ist Matcha nicht geeignet?
Matcha enthält Koffein, deshalb gilt für Schwangere und Stillende: Sprich mit deiner Ärztin oder Hebamme. Im Zweifel verzichte in der Schwangerschaft auf koffeinhaltigen Tee. Auch für Kinder ist Matcha wegen des Koffeins nicht gedacht.
Wer Gerinnungshemmer vom Typ Vitamin-K-Antagonist nimmt, sollte die Matcha-Menge konstant halten und mit der behandelnden Praxis abstimmen, denn im ganzen Blatt steckt Vitamin K. Wer regelmäßig andere Medikamente nimmt, klärt das am besten mit Arzt oder Apotheke.
Kurz gesagt: Weil du beim Matcha das ganze Blatt trinkst, trinkst du auch dessen Aluminium mit. Junge Blätter enthalten 250–660 µg/g, alte bis zu 10.400 µg/g. Guter Matcha kommt deshalb aus der ersten Ernte, hat eine klare Herkunft und ein Bio-Siegel und schmeckt nach Umami statt bitter.
7. Fazit: Matcha ist das ganze Blatt in der Schale
Was ist Matcha also? Gemahlener Tencha aus beschatteten jungen Blättern, langsam in der Steinmühle vermahlen und als Ganzes getrunken. Weil nichts im Sieb bleibt, zählt beim Matcha die Qualität des Pulvers mehr als bei jedem anderen grünen Tee: für das L-Theanin, für den Geschmack und für das, was du lieber nicht mittrinken möchtest.
Das Ziel ist eine Schale, die du mit allen Sinnen erkennst. Das Wasser hat rund 70 °C, der Besen hinterlässt einen feinen, hellgrünen Schaum. Es duftet nach junger Wiese. Der erste Schluck ist samtig und rund, danach bleibt eine leise Süße, ganz ohne bitteren Nachklang.
Genau daran erkennst du guten Matcha.
8. Anhang: Checkliste für deinen Matcha
- Herkunft Japan mit Region angegeben
- Erste Ernte, beschattet, aus Tencha gemahlen
- Bio-Siegel vorhanden
- Frische, kleine Dose, nach dem Öffnen zügig aufbrauchen
- 2 g Pulver sieben, rund 70 °C, etwa 80 ml
- 80 °C als Obergrenze, nie kochendes Wasser
- Sofort trinken, nicht stehen lassen
- Bei Schwangerschaft, Gerinnungshemmern oder Koffeinempfindlichkeit vorher ärztlich abklären
Meinen Matcha aus der Steinmühle finden →
Häufige Fragen zu Matcha
Disclaimer: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um grünen Tee und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Zusammenhänge beruhen auf wissenschaftlichen Studien, stellen aber keine Heilversprechen dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Koffein-Empfindlichkeit sprich bitte mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

