Illustration einer Grüntee-Schale auf einem Drehregler als Sinnbild für den steuerbaren Koffeingehalt von grünem Tee.
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Enthält grüner Tee Koffein? Der klare Überblick

1. Einführung: Enthält grüner Tee Koffein?

Grüner Tee gilt als der sanfte Wachmacher. Doch die eine feste Koffein Zahl, die viele suchen, gibt es nicht. Der Koffeingehalt schwankt von Blatt zu Blatt, von Sorte zu Sorte, von Aufguss zu Aufguss. Genau das macht grünen Tee spannend. Du kannst über die Zubereitung selbst steuern, wie viel Koffein am Ende in deiner Tasse landet. Wir zeigen dir, wie viel drinsteckt, was den Wert bestimmt und wie das Koffein im grünen Tee wirkt.

Auf einen Blick:

  • Grüner Tee enthält Koffein von Natur aus; die Teepflanze Camellia sinensis bildet es selbst als Fraßschutz (Antioxidants, Paiva et al. 2021).
  • Untersuchung von grünem und weißen Tee aus Portugal ergab Koffeingehalte zwischen 6 und 27 Milligramm pro Gramm Blatt (Antioxidants, Paiva et al. 2021).
  • Japanischer Matcha zeigt mit Koffeingehalten von 31 bis 42 Milligramm pro Gramm Pulver deutlich höhere Werte (Analysen unserer Teefarmer).
  • Wie viel Koffein in den Aufguss übergeht, steigt mit Wassertemperatur und Ziehzeit (Molecules, Cheng et al. 2023).
  • Traditionell japanisch zubereitet (7 g Blatt auf 200 ml) trägt Gyokuro rund 224 mg und Sencha rund 196 mg Koffein pro Aufguss (Performience-Verkostungspraxis).

Grüner Tee enthält Koffein, und zwar von Natur aus. Wie viel davon in deiner Tasse landet, ist keine feste Zahl. Der Gehalt hängt von Sorte, Kultivar, Erntezeitpunkt und vor allem der Zubereitung ab. Traditionell japanisch aufgegossen kann grüner Tee sogar mehr Koffein liefern als Kaffee.

Es gibt einen Grund, warum du nach diesem Thema gesucht hast. Vermutlich willst du wach werden, ohne zittrig zu sein, oder abends ruhig schlafen. Beides ist möglich. Die genauen Mengen je Sorte findest du auch in unserem Überblick zu Koffein im grünen Tee.

2. Wie viel Koffein steckt in grünem Tee?

Nach dem Koffeingehalt von grünem Tee zu fragen ist wie nach dem Alkoholgehalt von Wein zu fragen. Es gibt keinen einen Wert. Es kommt auf Rebsorte, Jahrgang und Kelterung/Ausbau an, beim Tee also auf Kultivar, Anbau, Ernte und Zubereitung. Eine Laboruntersuchung fasst es nüchtern zusammen: „Der Koffeingehalt (6,2 bis 27,7 mg/g) nahm ab in der Reihenfolge Weißtee, Grüntee, Blüten“ (Antioxidants, Paiva et al. 2021).

Diese Studie untersuchte allerdings ausschließlich Tee aus Portugal – und genau hier liegt der Haken. Grüner Tee aus Japan, etwa Matcha, kann deutlich höhere Werte erreichen. Die Analysen unserer japanischen Farmer zeigen je nach Kultivar Koffeingehalte von rund 32 bis 43 mg pro Gramm Blatt und liegen damit klar über der oberen Grenze der portugiesischen Messung. Das macht deutlich: Die Ergebnisse einer einzelnen Studie lassen sich nicht auf „grünen Tee“ allgemein übertragen. Herkunftsland, Kultivar, Erntezeitpunkt, Anbauverfahren, Verarbeitung und Teesorte beeinflussen den Koffeingehalt erheblich.

Gemessener Koffeingehalt von grünem Tee pro Gramm Blatt
Der Koffeingehalt schwankt je nach Teesorte und Saison. Die zitierte Studie (Paiva et al. 2021) untersuchte ausschließlich Tee aus Portugal; japanischer Grüntee kann höher liegen – ein Beleg dafür, dass sich Werte je nach Herkunft, Kultivar und Verarbeitung stark unterscheiden.

2.1 Sencha, Gyokuro, Matcha: die Richtwerte

So sieht es aus: Die gleiche Sorte trägt je nach Zubereitung sehr verschieden viel Koffein. Europäisch aufgegossen (wenig Blatt, viel Wasser) landet weniger in der Tasse. Traditionell japanisch (viel Blatt, wenig Wasser) landet deutlich mehr darin. Die folgenden Werte sind grobe Richtwerte pro Tasse.

GetränkEuropäisch aufgegossenKonzentriert japanisch
Sencharund 30 bis 50 mgrund 196 mg
Gyokurorund 40 bis 70 mgrund 224 mg
Matcharund 60 bis 90 mgrund 77 mg (2 g)
Filterkaffeerund 80 bis 120 mg

Die japanischen Werte für Sencha und Gyokuro stammen aus unserer eigenen Verkostungspraxis. Die europäischen Richtwerte und der Kaffeewert sind gängige Orientierungsgrößen, keine festen Zahlen.

Nicht der Tee allein bestimmt die Koffeinmenge, sondern der Aufguss.

3. Was den Koffeingehalt bestimmt

Zwei Dinge entscheiden über das Koffein im Tee. Erstens das Blatt selbst. Junge, frühe Blätter der ersten Ernte tragen mehr Koffein als späte, reife Blätter. Zweitens die Zubereitung. Wie viel Koffein sich aus dem Blatt löst, steigt mit der Wassertemperatur und der Ziehzeit (Molecules, Cheng et al. 2023).

Aus der Praxis: In unserer Verkostungspraxis liefert Gyokuro traditionell zubereitet rund 224 mg Koffein, Sencha rund 196 mg (7 g Blatt auf 200 ml). Ein Matcha kommt auf etwa 77 mg bei 2 g Pulver auf 80 ml. Der aminosäurereiche Kultivar Saemidori trägt dabei bis zu dreimal so viel L-Theanin wie das in Japan häufige Yabukita. Aus über 250 verkosteten Grüntees zeigt sich: Wer viel Blatt konzentriert aufgießt, holt viel Koffein heraus.

Koffein pro Tasse je nach Zubereitung, Balkendiagramm
Wie viel Koffein in der Tasse landet, hängt vor allem an der Zubereitung. Werte aus der Performience-Verkostungspraxis und gängige Richtwerte.

Und genau das ist der Punkt: Der Koffeingehalt von grünem Tee ist kein Schicksal, sondern eine Stellschraube. Kochendes Wasser holt zwar mehr Koffein heraus, macht den Tee aber bitter und verändert die Catechine. Bleib deshalb bei höchstens 80 Grad. Die feinere Steuerung erklären wir in unserer Anleitung zur Grüntee Zubereitung.

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4. Wie wirkt das Koffein aus grünem Tee?

Zuerst ein häufiges Missverständnis: Teein ist kein eigener Stoff. Koffein und Teein sind chemisch exakt dasselbe Molekül, nur der Name unterscheidet sich. Trotzdem fühlt sich das Koffein aus grünem Tee anders an als aus Kaffee.

Der Grund liegt in der Begleitung.

L-Theanin und Koffein im grünen Tee sind wie Bremse und Gas im selben Auto. Das Koffein gibt Gas, das L-Theanin nimmt die Hektik heraus. Du fährst zügig, aber ruhig. Diese Aminosäure kommt fast nur in der Teepflanze vor, Kaffee bildet sie gar nicht. In einer Studie an schlafdeprivierten Erwachsenen zeigte sich: „Die Kombination aus L-Theanin und Koffein verbessert Genauigkeit und Tempo der selektiven visuellen Aufmerksamkeit deutlich“ (British Journal of Nutrition, Nawarathna et al. 2025).

Neben Koffein und L-Theanin liefert grüner Tee reichlich Catechine, allen voran EGCG (Epigallocatechingallat). Diese sekundären Pflanzenstoffe wirken antioxidativ. Das Ergebnis ist diese ruhige, klare Wachheit, die dich durch den Nachmittag trägt, statt dich nach zwei Stunden abstürzen zu lassen.

5. Grüner Tee am Abend und bei empfindlichem Koffein

Kann man grünen Tee vor dem Schlafengehen trinken? Das hängt von deiner persönlichen Toleranz ab. Weil grüner Tee Koffein enthält, fällt es manchen Menschen danach schwer einzuschlafen. Anderen macht die späte Tasse nichts aus.

Es gibt allerdings einen Twist: Du kannst den Koffeingehalt gezielt senken. Kaltes Wasser holt das Koffein nur zögerlich aus dem Blatt. Ein Kaltaufguss (Coldbrew) über Nacht wird deshalb koffeinarm. Auch spätere Aufgüsse tragen weniger Koffein, weil der erste Aufguss das meiste bereits herauslöst. Stängeltee wie Kukicha und geröstete Sorten sind ebenfalls milder. Wer ganz ohne Koffein möchte, bereitet den Tee mit Eiswürfeln zu und lässt ihn im Kühlschrank nur ein paar Stunden ziehen oder greift zu koffeinfreiem oder entkoffeiniertem Tee, verliert dabei aber einen Teil der wertvollen Inhaltsstoffe.

Du steuerst die Menge selbst.

Skala, wie sich der Koffeingehalt im Aufguss steuern laesst
Über Temperatur, Ziehzeit und Aufguss steuerst du die Koffeinmenge (Molecules, Cheng et al. 2023).

Aber Vorsicht: In der Schwangerschaft, in der Stillzeit, bei Erkrankungen oder starker Koffein-Empfindlichkeit gehört die Koffeinmenge in ärztliche Hände. Sprich das im Zweifel mit deinem Arzt oder deiner Ärztin ab.

6. Fazit

Enthält grüner Tee Koffein? Ja, immer. Aber wie viel, das entscheidest zu einem großen Teil du selbst.

Es ist kurz nach dem Mittagessen. Früher kam jetzt das Loch. Heute gießt du deinen Gyokuro bei 50 °C auf, trinkst den ersten dichten Aufguss und spürst, wie der Kopf klar wird, ohne dass die Hände unruhig werden. Genau diese ruhige, klare Wachheit ist der eigentliche Gewinn. Mehr zu den Inhaltsstoffen und ihrer Wirkung liest du auf unserer Seite zur Wirkung von grünem Tee.

7. Anhang: Koffein im grünen Tee steuern

  • Mehr Koffein: viel Blatt, 50 bis 70 Grad, längere Ziehzeit.
  • Weniger Koffein: kalter Aufguss, Stängeltee wie Kukicha.
  • Für den Fokus: Gyokuro oder Sencha der ersten Ernte, konzentriert aufgegossen.
  • Für den Abend: koffeinarm gebrühter Tee (Coldbrew) oder eine koffeinfreie Alternative.

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Häufige Fragen zu Koffein in grünem Tee

Ja. Grüner Tee enthält Koffein von Natur aus, denn die Teepflanze Camellia sinensis bildet es selbst. Wie viel im Aufguss landet, hängt von Sorte, Ernte und Zubereitung ab.

Europäisch aufgegossen grob 30 bis 70 mg pro Tasse. Konzentriert japanisch zubereitet deutlich mehr: In unserer Verkostungspraxis liefert Gyokuro rund 224 mg, Sencha rund 196 mg pro Aufguss.

Das kommt auf die Zubereitung an. Dünn europäisch aufgegossen hat grüner Tee meist weniger Koffein als Kaffee. Traditionell japanisch und konzentriert zubereitet kann er sogar mehr liefern.

Das hängt von deiner Koffein-Empfindlichkeit ab. Ein Kaltaufguss (Coldbrew) oder ein späterer Aufguss ist koffeinarm und für den Abend besser geeignet. Bei Empfindlichkeit lieber am Vormittag trinken.

Brühe kalt, nutze spätere Aufgüsse oder wähle Stängeltee wie Kukicha. Kaltes Wasser und kurze Kontaktzeit lösen weniger Koffein aus dem Blatt. Ganz ohne Koffein geht es mit entkoffeiniertem Tee.

Nein. Teein und Koffein sind chemisch dasselbe Molekül. Der Name Teein ist historisch, meint aber genau denselben Wirkstoff wie im Kaffee. Anders wirkt nur die Begleitung durch L-Theanin.

  • Über den Autor

    Simon Dieckmann ist Experte für grünen Tee und Gründer von Performience. Nach einer schweren Erkrankung durch Dysbiose studierte er über zehn Jahre lang tausende wissenschaftliche Studien zu grünem Tee, Darmgesundheit und natürlicher Leistungssteigerung. Mit seinem M.Sc. in Forstwissenschaften und Waldökologie (Universität Göttingen) verfügt er über ein tiefes Verständnis für die Einflussfaktoren auf Qualität und Inhaltsstoffe von grünem Tee. Seine fünfjährige Expertise u. a. in einem der besten Teegeschäfte Deutschlands macht ihn zum Spezialisten für Auswahl, Bewertung und traditionelle Zubereitung von hochwertigem grünem Tee aus Japan.
    Simon Dieckmann
    Grünteeexperte und CEO Performience

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um grünen Tee und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Zusammenhänge beruhen auf wissenschaftlichen Studien, stellen aber keine Heilversprechen dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Koffein-Empfindlichkeit sprich bitte mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

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