Japanisches Sencha-Teefeld in voller Sonne mit frisch gepflücktem grünen Teeblatt
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Sencha Tee: Japanischer Grüntee, Wirkung, Zubereitung

1. Einführung: Warum Sencha der wichtigste Tee Japans ist

Rund drei Viertel des in Japan angebauten Tees ist ein einziger: Sencha. Kein anderer Grüntee steht so sehr für den Alltag im Land der aufgehenden Sonne. Und doch landet bei uns oft eine bittere, fahle Tasse davon im Glas, weil niemand erklärt hat, was Sencha eigentlich ist und wie du ihn behandelst. Genau das ändern wir hier.

Auf einen Blick:

  • Rund drei Viertel (etwa 75 Prozent) des in Japan angebauten Tees ist Sencha, damit ist er die beliebteste Grünteesorte des Landes (Wikipedia).
  • Sencha wächst in der Regel in voller Sonne, anders als der beschattete Gyokuro (Wikipedia).
  • EGCG ist mit rund 124 Milligramm pro 100 Milliliter das dominierende Catechin in japanischem Sencha (Koch et al., Molecules 2018).
  • Sencha wird mit 60 bis 80 Grad Celsius aufgegossen, kochendes Wasser macht ihn bitter (Wikipedia).
  • Bei traditioneller japanischer Zubereitung (7 Gramm auf 200 Milliliter) liefert Sencha rund 196 Milligramm Koffein (Performience-Verkostungspraxis).

Sencha Tee ist der beliebteste grüne Tee Japans, ein in voller Sonne gewachsener, gedämpfter Grüntee aus der Pflanze Camellia sinensis. Die Teeblätter werden nach der Ernte kurz mit heißem Dampf behandelt, gerollt und getrocknet. Das Ergebnis ist ein frischer, leicht herber Aufguss mit nadelförmigen, hellgrünen Blättern und einer feinen Umami-Note.

Der Name täuscht eine Einheitlichkeit vor, die es nicht gibt. Ob dein Sencha voll aromatisch, umami-süß, grasig-frisch oder flach und bitter schmeckt, entscheidet sich lange vor deiner Tasse, im Anbau, bei der Ernte und bei der Zubereitung. Wenn du die Grundlagen der richtigen Zubereitung von grünem Tee kennst, holst du aus jedem Blatt das Beste heraus.

2. Was ist Sencha Tee wirklich?

Sencha ist ein japanischer Grüntee von offenen Feldern, die volles Sonnenlicht bekommen. Genau darin liegt der Unterschied zu den Stars der japanischen Teekultur wie Gyokuro oder Matcha, die vor der Ernte wochenlang beschattet werden.

So sieht es aus: Sencha wächst in der prallen Sonne wie ein Feldarbeiter, Gyokuro dagegen im Schatten wie jemand im kühlen Büro. Die volle Sonne treibt die Pflanze dazu, mehr Bitterstoffe und Catechine zu bilden. Das macht den frischen, leicht herben, spritzigen Geschmack aus, für den Sencha berühmt ist.

Der Unterschied zwischen Sencha und einem beliebigen „grünen Tee“ ist also kein Marketing-Etikett. Fast jeder japanische Grüntee, den du im Supermarkt findest, ist technisch ein Sencha oder eine Sencha-Variante. Wo der grüne Tee herkommt, wann er gepflückt wird und wie er verarbeitet wird, macht aus derselben Pflanze am Ende einen ganz anderen Aufguss.

Dieselbe Pflanze, ein völlig anderer Tee.

Rund 75 Prozent des japanischen Tees ist Sencha
Rund drei Viertel des in Japan angebauten Tees ist Sencha. Quelle: Wikipedia (Sencha).

3. Vom Teegarten in die Tasse: Anbau und Herstellung

3.1 Anbau und Ernte

Die besten Sencha-Tees stammen aus japanischen Präfekturen wie Shizuoka, Kagoshima, Mie und der Yame-Region. In Shizuoka und Yame entsteht der klassische nadelförmige Sencha, Kagoshima ist für seine frühe Ernte bekannt.

Der Erntezeitpunkt prägt den Charakter. Die erste Pflückung im Frühjahr liefert junge, süßliche Blätter mit hohem Vitamin-Gehalt. Spätere Ernten schmecken kräftiger und herber. Ein Sencha aus biologischem Anbau garantiert dabei, dass keine synthetischen Pflanzenschutzmittel auf den Teeblättern landen.

3.2 Dämpfen, rollen, trocknen

Der entscheidende Schritt bei der Herstellung von Sencha ist das Dämpfen. Kurz nach der Ernte werden die Blätter mit heißem Dampf behandelt. Das ist wie die Pausetaste: Der Dampf stoppt die Oxidation und friert das frische Grün im Blatt ein, bevor es braun werden kann. Genau dieses Dämpfen unterscheidet japanischen Grüntee vom chinesischen, der stattdessen mit heißer Luft in der Pfanne geröstet wird.

Nach der Dämpfung wird der Tee gerollt und getrocknet, bis die typische nadelförmige, gleichförmige Blattform entsteht. Wie lange gedämpft wird, verändert das Ergebnis spürbar. Denn wie lange der heiße Wasserdampf beim Dämpfen auf das Teeblatt einwirken kann, bestimmt, wie stark die Blattzellen geöffnet werden. Das wiederum bestimmt, wie schnell die Inhaltsstoffe aus dem Teeblatt in das Teewasser gelangen. Ein Asamushi (leichte Dämpfung) wird nur rund 30 bis 45 Sekunden behandelt und bleibt klar und frisch. Ein Chumushi liegt bei etwa 45 bis 60 Sekunden. Ein Fukamushi (intensive Dämpfung) wird mit 60 bis 90 Sekunden am längsten gedämpft und dadurch kräftiger und trüber im Aufguss.

Klingt logisch, wenn da nicht ein Detail wäre: Fukamushi bricht die Blattzellen weiter auf, wie vorgeschnittenes Gemüse. Der Tee gibt seine Aromen schneller ab, verzeiht aber weniger Fehler bei der Ziehzeit und wird schneller bitter. Unserer Erfahrung nach lässt sich das Extrahieren der Inhaltsstoffe daher besser bei Tees mit Asamushi oder maximal Chumushi Dämpfung steuern.

Herstellung von Sencha in vier Schritten
Die vier Schritte der Sencha-Herstellung. Das Dämpfen unterscheidet japanischen von chinesischem Grüntee. Quelle: Wikipedia (Sencha).

4. Was steckt im Sencha: Catechine, Koffein und Umami

Weil Sencha in voller Sonne wächst, ist er besonders reich an Catechinen. Das sind u.a. die Pflanzenstoffe, die dem grünen Tee seinen leicht herben Geschmack geben. Der bekannteste Vertreter ist das Epigallocatechingallat, kurz EGCG.

Eine chemische Analyse verschiedener Grüntees im Fachjournal Molecules bringt es auf den Punkt: „EGCG (124 mg/100 ml in japanischem Sencha) war das dominierende Catechin in allen untersuchten Grüntee-Proben.“ So steht es im Original: „EGCG (124 mg/100 mL in Japanese Sencha) were the dominant catechins in all green tea samples“ (Koch et al., Molecules 2018, DOI 10.3390/molecules23071689, PMID 29997337).

Was diese Catechine im Körper tun, fasst ein Beitrag im Portal Natürlich (Thieme) zusammen: „Catechine wirken unter anderem antioxidativ und entzündungshemmend.“ Das EGCG macht dabei zwischen 50 und 80 Prozent des gesamten Catechingehalts aus. Studien deuten darauf hin, dass diese Stoffe im Körper günstige Effekte haben können, ein Heilmittel ist Sencha deshalb aber nicht.

Und das Koffein? Sencha ist ein wacher Tee. Aus der Praxis: Bei traditioneller japanischer Zubereitung, also rund 7 Gramm Blätter auf 200 Milliliter, liefert eine Kanne Sencha etwa 196 Milligramm Koffein, deutlich mehr als eine Tasse Filterkaffee. Trotzdem wirkt Sencha selten hektisch. Die Aminosäure L-Theanin, die dem Tee seine weiche Umami-Note gibt, wirkt wie eine Bremse zum Gas des Koffeins: Du wirst wach, aber ruhig statt zittrig. Mehr dazu liest du in unserem Überblick zur Wirkung von grünem Tee.

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  • Milder Einstieg für den Umstieg von Kaffee auf grünen Tee

5. Sencha richtig zubereiten, Schritt für Schritt

Der beste Sencha schmeckt fad, wenn du ihn falsch aufgießt. Kochendes Wasser auf zarte Sencha-Blätter zu gießen ist wie frische Kräuter in der Pfanne zu verkohlen: Die feinen Aromen verbrennen, übrig bleibt Bitterkeit. Temperatur ist hier alles.

  1. Wasser abkühlen lassen: Sencha braucht kein sprudelndes Wasser. 60 bis 80 Grad Celsius sind ideal, für die meisten Senchas triffst du mit rund 70 °C den frischen Geschmack.
  2. Blätter dosieren: Etwa ein gehäufter Teelöffel (rund 3-5 Gramm) auf 100 Milliliter Wasser. In eine Kyusu, die klassische japanische Seitengriffkanne, oder eine andere Teekanne mit feinem Sieb.
  3. Kurz ziehen lassen: Ein bis zwei Minuten reichen. Länger zieht mehr Bitterstoffe heraus, ohne dass der Aufguss besser wird.
  4. Mehrfach aufgießen: Gute Teeblätter geben zwei bis drei Aufgüsse her. Der zweite Aufguss darf etwas heißer und kürzer sein.

Und genau das ist der Punkt: Mit der richtigen Temperatur steuerst du nicht nur den Geschmack, sondern auch, wie viel Koffein im Aufguss landet. Wer es milder mag, gießt kühler und kürzer auf. Details dazu findest du in unserem Ratgeber zum Koffein in grünem Tee.

Ideale Wassertemperatur für Sencha: 60 bis 80 Grad Celsius
Sencha braucht 60 bis 80 °C, ideal rund 70 °C. Kochendes Wasser macht ihn bitter. Quelle: Wikipedia (Sencha); Performience.

6. Die häufigsten Fehler und was guten Sencha ausmacht

Die meisten enttäuschenden Sencha-Erlebnisse haben dieselben zwei Ursachen: zu heißes Wasser und zu lange Ziehzeit. Beides holt zu viele Bitterstoffe aus den Blättern heraus und überdeckt die feinen Aromen.

Was die meisten Ratgeber übersehen: „Sencha“ ist keine Qualitätsstufe, sondern eine ganze Kategorie mit riesiger Spanne. Zwischen einem flachen Discounter-Sencha und einem hochwertigen, aromatischen Sencha aus früher Ernte liegen Welten, obwohl auf beiden dasselbe Wort steht.

Der Name allein sagt fast nichts.

Aus unserer Verkostungspraxis mit über 250 getesteten Grüntees zeigt sich immer wieder: Kultivar, Erntezeitpunkt und Dämpfungsgrad entscheiden über die Qualität des Tees, nicht der Name auf der Packung. Deshalb selektieren wir bei Performience aus 62 japanischen Kultivaren und prüfen jede Charge persönlich in Göttingen, statt einfach „Sencha“ einzukaufen. Ein original japanischer Sencha in echter Spitzenqualität ist ein anderes Getränk als der lose geschnittene Massentee.

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7. Fazit

Sencha ist der Alltagstee Japans, und mit ein wenig Wissen wird er auch zu deinem. Er wächst in der Sonne, wird gedämpft statt geröstet und lebt von der Balance aus frischen Catechinen und weichem Umami.

Sencha verzeiht keine Eile.

Der erste richtig aufgegossene Sencha läuft hellgrün in die Schale, und es riecht nach frischer Wiese mit einem Hauch Seegras. Kein Kratzen, keine Bitterkeit, stattdessen diese weiche, leicht süßliche Note, die hinten am Gaumen bleibt. In diesem Moment verstehst du, warum drei Viertel eines ganzen Landes bei dieser einen Sorte bleiben.

8. Anhang: Deine Sencha-Checkliste

  • Herkunft prüfen: Original japanischer Sencha aus Shizuoka, Kagoshima oder Mie, idealerweise in Bio-Qualität.
  • Blatt ansehen: Gleichförmige, nadelförmige, leuchtend grüne und glänzende Blätter sprechen für Qualität.
  • Wasser messen: 60 bis 70 °C, nie kochend.
  • Kurz ziehen: Ein bis zwei Minuten, dann mehrfach aufgießen.
  • Frisch lagern: Kühl, dunkel und luftdicht, damit das Aroma erhalten bleibt.

Häufige Fragen zu Sencha Tee

Sencha ist der beliebteste grüne Tee Japans, gewachsen in voller Sonne. Die Teeblätter werden nach der Ernte gedämpft, gerollt und getrocknet. Das ergibt einen frischen, leicht herben Aufguss mit feiner Umami-Note.

Sencha ist reich an Catechinen und liefert wachmachendes Koffein, abgefedert durch die Aminosäure L-Theanin. Studien deuten auf günstige Effekte der Catechine hin. Als Genussmittel und alltägliche Kaffee-Alternative ist Sencha bestens geeignet, ein Heilmittel ist er nicht.

Sencha ist eine Sorte des grünen Tees, nämlich der klassische japanische, gedämpfte Grüntee von offenen Feldern. „Grüner Tee“ ist der Oberbegriff für alle nicht oxidierten Tees, dazu zählen auch chinesische Sorten und beschattete Tees wie Gyokuro.

Das hängt stark von der Zubereitung ab. Bei traditioneller japanischer Dosierung (7 Gramm auf 200 Milliliter) liefert Sencha aus unserer Verkostungspraxis rund 196 Milligramm Koffein. Kühleres Wasser und kürzere Ziehzeit senken den Wert deutlich.

Gieße Sencha mit 60 bis 80 Grad Celsius auf, nie mit kochendem Wasser. Nimm rund 2 Gramm Blätter auf 100 Milliliter, lass ein bis zwei Minuten ziehen und gieße die Blätter zwei bis drei Mal auf. Eine Kyusu mit feinem Sieb ist ideal.

Bei Matcha trinkst du das ganze gemahlene Blatt, deshalb nimmst du mehr Inhaltsstoffe auf. Sencha ist dafür alltagstauglicher, günstiger und liefert catechinreichen Genuss. Beide sind hochwertige grüne Tees, „gesünder“ hängt vor allem von Qualität und Menge ab und von dem was du mit dem Tee erreichen willst.

In Japan wird Sencha den ganzen Tag getrunken, besonders gern morgens und nach dem Essen. Wegen des Koffeins ist der Vormittag oder frühe Nachmittag ideal. Wenn du empfindlich auf Koffein reagierst, gieße abends kühler und kürzer auf. Auch wenn in Japan grüner Tee zu dem Essen gereicht wird, empfehlen wir Abstand zwischen grünem Tee und den Mahlzeiten. So kann grüner Tee seine Wirkung besser entfalten, da die Inhaltsstoffe vom Körper besser aufgenommen werden und nicht mit den Inhaltsstoffen aus den Lebensmitteln wechselwirken. Zudem kann grüner Tee die Eisenaufnahme hemmen. Daher besser mit Abstand zu den Mahlzeiten konsumieren.

  • Über den Autor

    Simon Dieckmann ist Experte für grünen Tee und Gründer von Performience. Nach einer schweren Erkrankung durch Dysbiose studierte er über zehn Jahre lang tausende wissenschaftliche Studien zu grünem Tee, Darmgesundheit und natürlicher Leistungssteigerung. Mit seinem M.Sc. in Forstwissenschaften und Waldökologie (Universität Göttingen) verfügt er über ein tiefes Verständnis für die Einflussfaktoren auf Qualität und Inhaltsstoffe von grünem Tee. Seine fünfjährige Expertise u. a. in einem der besten Teegeschäfte Deutschlands macht ihn zum Spezialisten für Auswahl, Bewertung und traditionelle Zubereitung von hochwertigem grünem Tee aus Japan.
    Simon Dieckmann
    Grünteeexperte und CEO Performience

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um grünen Tee und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Zusammenhänge beruhen auf wissenschaftlichen Studien, stellen aber keine Heilversprechen dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Koffein-Empfindlichkeit sprich bitte mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

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